Die Schleusen am Main-Donau-Kanal
Der Main-Donau-Kanal, im Fachjargon oft als MDK abgekürzt, ist eines der bedeutendsten Binnenwasserstraßenprojekte Europas des 20. Jahrhunderts. Er verbindet den Rhein über Main und Altmühl mit der Donau und schafft damit eine durchgehende Wasserstraßenverbindung zwischen dem Atlantik und dem Schwarzen Meer. Die Realisierung erforderte eine komplexe Folge von Schleusen, um den Höhenunterschied über die bayerische Wasserscheide zu überwinden.
Historischer Hintergrund
Die Idee einer Verbindung zwischen Rhein und Donau reicht bis in die Karolingerzeit zurück. Kaiser Karl der Große soll im Jahr 793 n. Chr. versucht haben, einen Kanal im heutigen Fränkischen Seenland zu bauen. Der sogenannte „Fossa Carolina" blieb jedoch unvollendet.
Ein erster moderner Kanal – der Ludwigskanal – wurde von 1836 bis 1846 gebaut und ermöglichte eine Verbindung für kleinere Schiffe. Er war jedoch für die Schiffsgrößen des 20. Jahrhunderts zu schmal und zu flach. Der Neubau des heutigen Main-Donau-Kanals begann 1960 und wurde nach Jahrzehnten der Bauarbeiten 1992 fertiggestellt.
Die Schleusentreppe: Überwindung der Wasserscheide
Die größte technische Herausforderung des Main-Donau-Kanals war die Überwindung des europäischen Wasserscheidenrückens bei Hilpoltstein. Auf der Scheitelhaltung liegt der Kanal auf einer Höhe von etwa 406 Metern über Normalnull – einem der höchsten Punkte im europäischen Binnenwasserstraßennetz.
Um diese Höhe zu erreichen und wieder abzusteigen, wurden insgesamt 16 Schleusen gebaut: elf im Nordabschnitt zwischen Bamberg und der Scheitelhaltung und fünf im Südabschnitt zwischen der Scheitelhaltung und Kelheim an der Donau. Die Schleusen sind nach den Orten benannt, in deren Nähe sie liegen, etwa Schleuse Strullendorf, Schleuse Bamberg oder Schleuse Hilpoltstein.
Technische Abmessungen der Schleusen
Die Schleusen des Main-Donau-Kanals wurden auf das sogenannte Großmotorschiff (GMS) ausgelegt. Die Schleusenkammern haben eine Länge von 190 Metern und eine Breite von 12 Metern, was den Schleusentyp in die Klasse Vb des europäischen Wasserstraßensystems einordnet. Die Hubhöhe variiert je nach Schleuse und beträgt an einigen Schleusen über 20 Meter.
Schleuse Strullendorf: Ein Beispiel
Die Schleuse Strullendorf liegt zwischen Bamberg und Breitengüßbach und ist Teil der nördlichen Schleusentreppe des Main-Donau-Kanals. Sie überwindet eine Hubhöhe von rund 8 Metern. Wie alle Schleusen des MDK ist sie mit Stemmtoren an Ober- und Unterhaupt ausgestattet. Der Betrieb erfolgt ferngesteuert von den Wasserstraßen-Neubauämtern aus.
Wasser- und Energiemanagement
Der Betrieb der Schleusen am Main-Donau-Kanal erfordert einen erheblichen Wasserverbrauch: Mit jedem Schleusungsvorgang fließt Wasser aus dem Oberwasser in das Unterwasser. Dieser Wasserverlust wird durch Pumpwerke und Speicherseen ausgeglichen, darunter der Großer Brombachsee und der Kleiner Brombachsee im Fränkischen Seenland.
Die beim Schleusen entstehenden Höhendifferenzen ermöglichen zudem die Stromerzeugung durch kleine Wasserkraftwerke, die an einigen Schleusen des MDK installiert sind.
Weiterführende Informationen
Detaillierte technische und historische Informationen zum Main-Donau-Kanal stellt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Main-Donau-Kanal bereit.